Parlamentarisches Patenschafts Programm

29. PPP, Erfahrungsbericht von Tobias Krause

29. Dezember 2012

Mit dem Jahr 2012 geht auch der erste Teil des PPP – das Studium – zu Ende und ich kann auf eine ereignisreiche, interessante und schöne Zeit zurückblicken.

Das Studium hier in den USA hat mir sehr viel Spaß gemacht, was auch daran liegt, dass ich zurück in Deutschland ein Studium beginnen möchte und dementsprechend viel Motivation mit mir brachte. Ich bin mir allerdings ganz sicher, dass ich in Deutschland mit anderen, d.h. höheren Ansprüchen rechnen muss, als ich sie hier erlebt hatte. Ich denke, dass in Deutschland ein Studium wissenschaftlich fundierter aufgebaut ist. Hier in den USA gehört der Collegebesuch gewissermaßen zur Allgemeinbildung und scheint für fast jeden Job notwendig zu sein. Ich vermute, dass daher das Niveau niedriger angesetzt ist. Wenn ich dann allerdings die horrenden Studiengebühren betrachte, bin ich von der Qualität schon etwas enttäuscht und bin unglaublich froh und auch stolz, in Deutschland andere Bedingungen vorfinden zu können.
Ganz abgesehen davon, hat mir das Studium hier auch ermöglicht, einen kleinen Freundeskreis aufzubauen, was sich nicht ganz einfach gestaltet als Neuankömmling in einem fremden Land. Darüber bin ich sehr froh und die Amerikaner machen es einem glücklicherweise auch sehr einfach, Kontakt aufzunehmen. Es herrscht hier definitiv eine kommunikativere und offenere Atmosphäre in der Öffentlichkeit, als es in Deutschland der Fall ist.

Neben dem Studium bestand ein weiterer Programmteil in diesem ersten Halbjahr aus Freiwilligenarbeit. Dies ist Programmbestandteil, da es einerseits hilft, uns zu integrieren, andererseits aber schlichtweg gang und gäbe ist in den USA. Und in der Tat sind hier unwahrscheinlich viele Menschen in irgendeiner Form freiwillig aktiv, was definitiv ein weiterer Unterschied zum Leben in Deutschland darstellt.
Jedenfalls habe ich als „Arbeitgeber“ eine Organisation namens GlobalPittsburgh ausgesucht. Dieses Non-Profit-Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Pittsburgh für ausländische Studenten, Forscher und Führungskräfte attraktiv zu machen, um Pittsburgh damit global zu vernetzen und ökonomisch voranzubringen. Diese Organisation hat auch dabei geholfen, eine Gastfamilie für mich hier zu finden. Durch meine Arbeit dort (ich habe einen Nachmittag pro Woche in deren Büro unterstützt) konnte ich dann „etwas zurückgeben“. Ein Vorteil, der für mich dabei heraussprang, war (und ist noch nach wie vor), dass diese Organisation regelmäßig Veranstaltungen für internationale Studenten organisiert, bei denen ich jedes Mal neue interessante Menschen kennenlerne und auch schon ein paar Freunde gefunden habe, mit denen ich seither über diese Treffen hinaus in Kontakt stehe und auch ausgehe.

Eigentlich ginge im Januar nun bereits die Jobphase los. Allerdings bin ich – neben vier weiteren „PPPlern“ – in der glücklichen Situation, für sechs Wochen ein Praktikum im U.S. Congress machen zu dürfen! Cultural Vistas (die Austauschorganisation hier in den USA) bietet das im Zuge des so genannten Congressional Internship Program (CIP) an. Um daran teilnehmen zu dürfen, mussten sich Interessenten durch einen Auswahlprozess arbeiten, der ein Motivationsschreiben sowie ein Telefoninterview verbunden mit einem kleinen Test umfasste. Wer erfolgreich war, kann bei der/dem jeweiligen Congressabgeordneten in deren Washington D.C.-Büro ein sechswöchiges Praktikum absolvieren. In meinem Fall werde ich für den Demokraten Michael Doyle arbeiten, dessen Wahlkreis meinen Platzierungsort Pittsburgh umfasst. Ich freue mich schon sehr darauf und am 5. Januar geht auch schon mein Flug von Pittsburgh nach D.C.

Nach meiner Rückkehr von Washington Mitte Februar muss es dann aber mit einem Job weitergehen. Leider waren meine Bewerbungen bisher ergebnislos. Die Situation ist nicht ganz einfach, da die meisten Jobs, die meiner Qualifikation entsprechen, langfristig besetzt werden müssen und Zeitarbeitsagenturen auf der anderen Seite nicht einige Wochen im Voraus beurteilen können, ob sie eine passende Stelle für mich haben. Deshalb bin ich nun dazu übergegangen, mich für weniger interessante/anspruchsvolle Stellen zu bewerben (z.B. Kassierer), da hier kaum Einlernzeit notwendig ist und große Fluktuation herrscht, d.h. zeitlich begrenzte Arbeitseinsätze die Regel sind. Dennoch warte ich auch hier noch auf positive Rückmeldungen.
Neben diesen Bewerbungen, die zu 99 Prozent online erfolgen (was das Ganze offen gesagt ziemlich nervig macht) habe ich auch intensives „Networking“ betrieben, was uns nicht nur im Voraus wärmstens empfohlen wurde, sondern ganz offenbar der Weg zu einem Job in den USA zu sein scheint. Beispielsweise ermöglichte mir eine Collegeprofessorin die Teilnahme an einem Treffen des German-American Business Circle, wobei sich Repräsentanten von ursprünglich deutschen Unternehmen treffen, um über die aktuelle Lage zu reden und natürlich zu „networken“. Dabei konnte ich in der Tat gute Kontakte knüpfen, mit denen ich auch nach wie vor noch in Kontakt stehe und ich die größten Chancen für einen anständigen Job sehe.
Aufgrund des D.C.-Praktikums habe ich ja noch etwas Zeit, um einen Job zu finden, auch wenn ich die Unsicherheit nicht wirklich mag – aber das ist eben auch ein Bestandteil dieses Austauschs oder vielleicht sogar des Lebens in den USA generell.

Wenn man schon einmal in den USA ist, sollte man natürlich auch versuchen zu verreisen und das Land etwas zu erkunden. So verbrachte ich beispielsweise kürzlich mit ein paar Freunden ein verlängertes Wochenende in Boston, eine Ostküstenstadt, die berühmt für ihre historische Bedeutung, Universitäten (z.B. Harvard) und Schönheit ist. In der Tat hat der Besuch dieser Stadt einen „Bildungsmehrwert“. So findet man beispielsweise das Haus, von dessen Balkon aus die Unabhängigkeitserklärung verkündet wurde. Und wir hatten das Glück, dass an dem Tag unseres Besuches das berühmte Versenken des Tees aus Protest gegen die britische Krone – bekannt als die Boston Tea Party – sich zum 239. Mal jährte und in diesem Zuge eine Inszenierung stattfand, in der das Geschehen nachgespielt wurde.

Zum Schluss möchte ich noch kurz Weihnachten in den USA ansprechen.
Ich hatte ein paar sehr schöne Tage mit der Familie meiner „Hostmum“ verbracht (sie hat vier Geschwister – alle mit Ehepartner und Kindern). Der einzige Unterschied zu Deutschland war, dass Heiligabend hier keinen besonderen Stellenwert hat, dafür aber am 25. Dezember gefeiert wird. Außerdem war es etwas weniger festlich (beispielsweise wird nicht gesungen), sondern eher ein Zusammenkommen der ganzen Familie, wie man es auch an anderen Festen hat. Und der 2. Weihnachtsfeiertag, wie wir ihn in Deutschland haben, existiert hier nicht. Diese marginalen Unterschiede ändern aber nichts daran, dass ich die Festtage sehr genossen habe und mich in der Familie sehr willkommen und integriert fühle.