Finanzglossar - Begriffe und Abkürzungen

Dieses Glossar soll die Begriffe kurz erklären, die insbesondere im Rahmen der momentanen Finanz- und Verschuldungskrise immer wieder auftauchen. Denn oftmals hört man immer die gleichen Begriffe wie Bail-Out oder Derivate, doch eine Vorstellung was diese Begriffe genau bedeuten, haben eher wenige.

Diese Liste wird fortdauernd erweitert und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll lediglich einen ersten Eindruck vermitteln, worüber gesprochen wird, wenn es um finanzpolitische Themen geht.

Bail-Out

(to bail somebody out = jemanden aus der Patsche holen), indem man seine Schulden übernimmt, weil der andere sie nicht mehr zurückzahlen kann. Ein Bail-Out tritt also ein, wenn eine Garantie/Bürgschaft fällig wird. In der Finanzkrise von 2008 wurde der Begriff dafür benutzt, dass einzelne Staaten ihre Banken vor der Pleite bewahrten. Die Geldinstitute galten als "systemrelevant": Man fürchtete, ihr Bankrott würde das ganze Finanzsystem und mit ihm die Wirtschaft mit in den Abgrund reißen.

Innerhalb der Euro-Zone sind Bail-Outs eigentlich vertraglich ausgeschlossen. Durch die diversen Rettungspakete wurde das Verbot aber inzwischen aufgeweicht.

 

Credit Default Swap (CDS)

-> Kreditausfalltausch , es handelt sich um Versicherungen. Dabei sagtdie eine Bank, sie springe ein, wenn die andere Bank nicht zahlen kann. Der CDS-Markt ist riesengroß und völlig unreguliert. Niemand weiß, wo die Risiken genau liegen.

Im Einzelfall funktioniert das so: Anleger, die zum Beispiel eine griechische Staatsanleihe gekauft haben, können sich gegen den Zahlungsausfall Griechenlands versichern. Der Preis der Police steigt mit dem Risiko des Kreditausfalls. Diese Versicherungen werden aber auch von Zockern gehandelt, die, um im Beispiel zu bleiben, überhaupt keine Griechenland- Anleihe besitzen. Diese windigen Spekulanten hoffen dann darauf, dass Griechenland tatsächlich in die Pleite geht, weil dann der Wert ihrer Versicherungspolice steigt. So machen sie einen Gewinn. Das ist so, als ob der eine Nachbar darauf wettet, dass im Nachbarhaus Feuer ausbricht. Da besteht die Gefahr, dass er nachhilft.

 

Derivate

Produkte, deren Bewertung sich überwiegend von dem Preis, den Preisschwankungen und -erwartungen eines zugrunde liegenden Basisinstrumentes (bspw. Aktien Anleihen ,Devisen Indizes ) ableitet. Zu den Derivaten zählen insbesondere Swaps Optionen undFutures .

 

Volatilität

Wenn es an der Börse heftig auf und ab geht, -> ist die Volatilität hoch. ->Schwankungsmaß von Kursen . Seit Ausbruch der Finanzkrise kommt es zu immer stärkeren Ausschlägen - zehn Prozent an einem Tag sind kein Einzelfall. Zwischen Ende 2003 und Ende 2006 gab es nur zwei Tage, an denen der Kurs des S&P-500-Index um mehr als zwei Prozent schwankte. Spätestens seit der Lehman-Pleite im September 2008 erleben wir ein massives Rauf und Runter. Grund: In der Krise sind Investoren risikofreudiger sind als in normalen Zeiten. Prognose: So lange die Unsicherheit so groß ist, werden die Kurse weiter stark schwanken.

 

PIIGS, GIPS

Als PIIGS werden seit 2010 die Krisenländer im Euro-Raum bezeichnet: Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien. Ganz bewusst erinnert PIIGS an den englischen Begriff für Schwein ("Pig") - es schwingt eine Abwertung mit.

In Portugal, Irland und Griechenland kletterten die Zinsen auf Rekordstände, selbst nachdem die EU und der IWF große Rettungspakete beschlossen hatten. Ein anderes Akronym für die gleich Sache: GIPS.

 

Swaps

Als Alternativen zu direkten Finanzierungen ( Anleihe , Festsatzkredit) an den internationalen Finanzierungsmärkten haben sich Zins- und Währungsswaps als Quelle für kostengünstiges festverzinsliches Fremdkapital erwiesen. Bei dem reinen Zinsswap geht es um den Austausch von Zinszahlungsverpflichtungen in einer Währung für eine bestimmteLaufzeit . Wesentlich ist, dass die auf den gleichen Ausgangsbetrag zu leistenden Zinsen unterschiedlichen Zinsberechnungen unterliegen und durch den Swap keine gegenseitigen Kapitalforderungen entstehen. Sinn eines solchen Tausches ist es, den relativen Vorteil, den jeweils eine Partei gegenüber der anderen aufgrund ihrer Stellung an einem bestimmten Finanzmarkt hat, mit der anderen Partei zu tauschen. Das gleiche gilt auch sinngemäß für Währungsswaps. Hauptmerkmal eines Währungsswaps ist, dass die zu tauschenden Verbindlichkeiten in verschiedenen Währungen begründet sind.

 

Double Dip

-> Zweifaches Eintauchen in eine Rezession - ein völlig ungewöhnliches Ereignis. Normalerweise geht es nach einer Rezession aufwärts mit der Konjunktur. Die globale Finanzkrise hat diese Normalität außer Kraft gesetzt. Portugal, Griechenland und auch Dänemark verzeichneten zuletzt zwei Quartale in Folge, in denen die Wirtschaftsleistung schrumpfte - wie schon im Jahr 2008. Ähnliches wird derzeit für die USA befürchtet. Ein "Double Dip" könnte durch höhere Staatsschulden verhindert werden, denn Staatsausgaben vergrößern das Einkommen, also den heimischen Konsum und die Investitionen. Japan machte auch deshalb eine zehnjährige Rezession durch, weil der Staat gespart hat. Die westlichen Länder sind aber mittlerweile klamm: Kredite gibt es nur zu höheren Zinsen - das wiederum kann die Konjunktur abwürgen.

 

Short Selling

-> Praxis an den Börsen soll schuld sein an spektakulären Kursabstürzen. Begriff beschreibt Methode, auch bei fallenden Kursen Geld zu verdienen. Das geht so: Spekulanten leihen sich gegen eine Gebühr Wertpapiere und verkaufen sie an der Börse weiter. Sie wetten darauf, dass der Kurs dieser Papiere einbricht. Geht das Kalkül auf, kaufen die Zocker später dieselben Aktien zum günstigeren Preis und geben sie dem Entleiher zurück. Die Differenz aus Verkaufs- und Kaufkurs bleibt ihnen als Gewinn, abzüglich der Leihgebühr. Aus Angst, dass diese Leerverkäufe - vor allem in Verbindung mit üblen Gerüchten - in eine gefährliche Abwärtsspirale münden, wurden sie während der Finanzkrise teils verboten. Als besonders schlimm gilt das "naked short selling" (ungedeckte Leerverkäufe). Dabei besitzt der Spekulant nicht mal die Papiere, mit denen er dealt. Leerverkäufe eignen sich aber zur Absicherung bestehender Positionen. In Deutschland sind ungedeckte Leerverkäufe seit Herbst 2010 verboten.

 

EFSF

Die "Europäische Finanzstabilisierungsfazilität" wurde im Frühjahr 2010 als erster "Rettungsschrim" eingerichtet. Alle Euro-Staaten sorgen anteilig mit Garantien dafür, dass Länder wie Irland und Portugal mit günstigen Krediten versorgt werden, die weiterhin am Kapitalmarkt aufgenommen werden.

Die Erweiterung des Fonds mit mehr Geld und höheren Garantieleistungen im Juli 2011 zielte vor allem darauf ab, auch größere Euro-Staaten wie Spanien und Italien notfalls unterstützen zu können. Bei einem Gesamtvolumen der möglichen Kreditaufnahmen von 440 Mrd. Euro lag der Anteil Deutschlands daran zunächst bei gut 123 Mrd. Euro. Dieser Betrag wurde mit der Aufstockung des EFSF im September 2011 auf 211 Mrd. Euro ausgedehnt. In diesem Betrag nicht mit eingerechnet sind die Garantieleistungen durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) und den EU-Haushalt.

Es ist zudem der Aufkauf von etwaigen Staatsanleihen und Darlehen zur Rekaitalisierung der Finanzinstitute als Krisenabwehr vorgesehen.

 

ESM

Der "Europäische Stabilitätmechanismus" soll als institutionalisierter Rettungsschirm den temporären EFSF im Jahre 2013 ablösen. Der geplante Umfang beträgt 500 Mrd. Euro und wird nicht mehr nur durch Bürgschaften, sondern auch durch tatsächlich eingezahltes Kapital gedeckt.

Hinzu kommt, dass auch private Gläubiger am ESM mit beteiligt werden können. Ebenfalls ist, wie beim EFSF, eine Zusammenarbeit mit dem IWF und als Bedingung für den Empfang von Leistungen entsprechende makroökonomische Anpassungsprogramme für die Mitgliedsländer vorgesehen.

 

Sixpack / Euro-Plus-Pakt

Mit dem "Sixpack" werden die sechs Verordnungen beschrieben, die im Zuge des gemeinsamen Stabilitäts- und Wachstumspakt und des neuen gesamteuropäischen Überwachungsverfahrens die in Verhandlungen zwischen Europäischem Rat und Europäischem Parlament auf den Weg gebracht wurden. Diese größte Reform der Währungsreform seit der Einführung des Euro soll es der EU-Kommission ermöglichen, in Fragen der nationalen Haushaltsplanungen einzugreifen, um eine gemeinsamere wirtschaftspolitische Ausrichtung zu realisieren. Insbesondere wird eine für alle Euro-Mitgliedsstaaten verbindliche Schuldenbremse eingeführt.

Die Verordnungen, die allerdings einzeln von allen EU-Mitgliedsländern einzeln ratifiziert werden müssen, beinhalten:

1. Verordnung des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1466/97 über den Ausbau der haushaltspolitischen Überwachung und Koordinierung der Wirtschaftspolitiken 
2. Verordnung des Europäischen Rates zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1467/97 über die Beschleunigung und Klärung des Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit (VÜD)
3. Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die wirksame Durchsetzung der haushaltspolitischen Überwachung im Euroraum 
4. Richtlinie des Europäischen Rates über die Anforderungen an die haushaltspolitischen Rahmen der Mitgliedstaaten.
5. Makroökonomische Ungleichgew5. Verordnung des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates über die Vermeidung und Korrektur makroökonomischer Ungleichgewichte 
6. Verordnung des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates über Durchsetzungsmaßnahmen zur Korrektur übermäßiger makroökonomischer Ungleichgewichte im Euroraum