Parlamentarisches Patenschafts Programm

Hamburg-Nürtingen: Report Seven

08.04.2009

Zur Zeit passiert nicht viel Besonderes und ich verbringe hier nur meinen normalen Alltag. Draußen hat es wieder angefangen zu schneien, nachdem wir einige Tage lang schön frühlingshaftes Wetter war. Aber ich möchte die Chance nutzen und ein bisschen von der Schule und dem Schulsystem erzählen. Von ehemaligen Austauschschülern in Deutschland habe ich eigentlich meistens gehört, dass Schule in den USA total einfach ist. Und ja, ich stimme zu – es ist nicht schwer, aber nicht ganz so einfach wie ich mir das vorgestellt habe. Das mag daran liegen, dass das Schulsystem von Staat zu Staat variiert und der Staat New York so ziemlich auf dem höchsten Level unterrichtet.

Das Schulsystem hier ist mehr wie ein Kurssystem: Jeder Schüler wählt seine eigenen Kurse, hat also seinen eigenen, individuellen Stundenplan. Die Wahl der Kurse basiert vor allem auf dem Notendurchschnitt und den Interessen des Schülers, es müssen aber bestimmte Bereiche abgedeckt werden. Zum Beispiel muss jeder Schüler einen Englisch-Kurs (wie bei uns das Fach Deutsch), eine Fremdsprache, Gemeinschaftkunde, Mathe, eine Wissenschaft, einen musischen oder musikalischen Kurs und Sport in seiner Schulkarriere belegen um einen Abschluss zu bekommen. Wie viel Jahre bzw. Semester man aber in welchem Bereich abdecken muss, variiert schon wieder. Man kann auch entscheiden, ob man Französisch, Spanisch oder Latein als Fremdsprache wählt oder ob man ein Instrument spielt, im Chor singt oder vielleicht Töpfern oder Fotographie wählt.

Da jeder Schüler seinen eigenen Stundenplan hat, hat man in jedem Fach auch eine andere Klasse und andere Klassenkameraden. Aufgrund des Kurssystems hat man logischerweise auch keinen Klassenraum. Vielmehr hat jeder Lehrer seinen eigenen Raum, den er auch selbst gestalten kann, und die Schüler wechseln zwischen den Räumen hin und her. Auch einen Klassenlehrer gibt es nicht. Dafür gibt es aber für jeden Schüler einen „Counselor“ (= Berater/in), der diesem bei der Kurswahl, bei Problemen mit Lehrern bzw. Mitschülern oder sonstigen Schwierigkeiten aushilft.

Man hat neun Schulstunden pro Tag. Eine Schulstunde dauert 42 Minuten und die Pausen zwischen den Schulstunden sind vier Minuten lang – das kann aber auch schon wieder von Schule zu Schule variieren. Schule beginnt um 7.55 Uhr und geht bis 14.50 Uhr. In den ersten fünf Minuten ist der sogenannte „Homeroom“: Da wird gecheckt, ob alle da sind oder jemand krank ist, es werden einige Durchsagen gemacht (über Schulaktivitäten) und die „Pledge of Allegiance“ (ein Treuegelöbnis gegenüber der USA: "I pledge allegiance to the flag of the United States of America and to the republic for which it stands: one nation under God, indivisible, with liberty and justice for all.") gesprochen. Schon in der ersten Klasse fängt man an diese jeden Morgen am Anfang des Schultages zu sprechen.

Manche Schüler haben eine Mittagspause, manche nicht. Man darf aber die Schule in der Mittagspause nicht verlassen. Und auch sonst, wenn man in einer Schulstunde keinen Unterricht hat, kann man nicht nach Hause gehen oder später zur Schule kommen – man muss in der Schule bleiben und hat eine „Studyhall“. Dort kann man Hausaufgaben machen, lernen, lesen...

Nach der Schule belegen viele Schüler einen Sport. Es gibt eher weniger Sport-Vereine außerhalb der Schule, wie das bei uns ja üblich ist. Und auch sonst gibt es einige AGs nach der Schule, wie z. B. Drama Club (Theater), Chess Club (Schach) oder French Club, International Club...

Zur Schule kommen die Allermeisten mit den, für die USA so typischen, gelben Schulbussen.

Hannah Grossmann