Meine Ansicht zur Präimplantationsdiagnostik (PID)

Dies ist meine Antwort an die Bürger, die sich bezüglich des kontrovers diskutierten Themas an mich wenden:

Der von mir unterstützte Gesetzentwurf formuliert klare Voraussetzungen zur Anwendung einer PID: Die PID wird grundsätzlich verboten. Von diesem Verbot kann lediglich in zwei Ausnahmefällen abgewichen werden.

So darf laut des genannten Gesetzentwurfes die PID nur bei Paaren durchgeführt werden, für deren Kinder medizinisch-objektiv ein hohes Risiko des Ausbruchs einer bekannten und schwerwiegenden monogenen Krankheit besteht oder mit einer Tot- oder Fehlgeburt zu rechnen ist. Zudem können hierdurch Spätabbrüche, die einen oftmals schon selbständig lebenden Embryo betreffen, vermieden werden. Zwar darf ferner die Tatsache des Medizin-Tourismus in andere europäischen Staaten in diesem Zusammenhang nicht ausschlaggebendes Argument sein, jedoch muss man bei der Betrachtung des Problems auch diesen Teil der Wirklichkeit sehen (allein in einem belgischen Zentrum werden derzeit 100 PIDs jährlich an deutschen Paaren durchgeführt). Grundsätzlich erfolgt die Entscheidung, ob eine PID durchgeführt wird, als Einzelfallentscheidung, für die u.a. die schriftliche Einwilligung der Mutter sowie ein positives Votum einer interdisziplinär zusammengesetzten Ethikkommission Voraussetzung sind.

Bei der Zulassung der PID unter klar eingeschränkten und definierten Bedingungen ist zudem die Berücksichtigung möglicher krankheitsunabhängiger elterlicher Wünsche (z.B. hinsichtlich körperlicher oder psychosozialer Eigenschaften des Nachkommen) ausgeschlossen. Ebenfalls ausgeschlossen ist eine krankheitsunabhängige Geschlechtsselektion sowie z.B. die Instrumentalisierung des Nachkommen zur Heilung eines Dritten. Da sich die PID nur für monokausale erbliche Krankheiten eignet, kann es insgesamt pro Jahr nur eine sehr begrenzte Anzahl von Untersuchungen geben. Schätzungen gehen von davon aus, dass dies in 200 bis 300 Fällen pro Jahr der Fall sein wird.

Bei allem Verständnis für die in Zusammenhang mit der PID geäußerten Befürchtungen bin ich daher der Ansicht, dass mit einer klaren Begrenzung ein verantwortungsvoller Umgang mit der PID möglich ist. Der bisweilen befürchtete „Dammbruch“ wird durch die internationalen Erfahrungen widerlegt. Nach 20 Jahren Erfahrung in vielen europäischen Ländern kann man feststellen, dass mit der PID verantwortlich umgegangen wird.

Ihre Anmerkung hinsichtlich der sozialen Anerkennung „schwacher“ (und möglicherweise behinderter) Menschen aufgreifend, bin ich doch der Ansicht, dass der nachvollziehbare Wunsch nach einem lebensfähigen Kind nicht die Menschenwürde bereits lebender Menschen verletzt. Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre in den Ländern, in denen die PID bereits praktiziert wird, zeigen, dass behinderte Menschen dort mehr soziale Anerkennung und Teilhabe erfahren, als dies noch vor 20 Jahren der Fall war. Die Anwendung der PID hat also keinesfalls die Diskriminierung behinderter Menschen zur Folge.

Letztlich ist die PID Ausdruck eines objektiv unlösbaren Konflikts zwischen Schutzwürdigkeit der sozialen und gesundheitlichen Lebensinteressen der Eltern einerseits und der Schutzwürdigkeit des Embryos andererseits. Vor dem Hintergrund des oben genannten erscheint eine beschränkte Zulassung der PID jedoch ein gangbarer Weg zu sein.

Ihr

Rainer Arnold