Pressemitteilung

Ein-Euro-Jobs kommen im Kreis gut an

Arbeitsgelegenheiten besser als ihr Ruf

KIRCHHEIM/FILDERSTADT/NÜRTINGEN(vhas). Als 1-Euro-Jobs haben die Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose zuweilen einen zweifelhaften Ruf bekommen. Tatsächlich sehen sowohl Betroffene wie die Träger dieses Modell als Chance Langzeitarbeitslosen wieder eine Perspektive zu bieten. Der Nürtinger Bundestagsabgeordnete Rainer Arnold besuchte gemeinsam mit der Kirchheimer Landtagsabgeordneten Carla Bregenzer und dem Nürtinger Landtagsabgeordneten Nils Schmid (alle SPD) die Diakonie in Filderstadt und Kirchheim sowie INBUS e.V. in Nürtingen als zuständige Träger. Im Gespräch mit den Arbeitslosen wurde schnell deutlich, dass die 1-Euro-Jobs von den Betroffenen gut angenommen werden. Für manche haben sich die Arbeitsgelegenheiten bereits nach wenigen Monaten als Sprungbrett zurück auf den ersten Arbeitsmarkt erwiesen. Im Raum Kircheim, Filder und Nürtingen werden derzeit 130 Arbeitsgelegenheiten angeboten.

Der Begriff 1-Euro-Job führt in die Irre, deshalb bleiben Rainer Arnold und seine beiden Kollegen aus dem Landtag, Carla Bregenzer und Nils Schmid, lieber bei der offiziellen Bezeichnung und sprechen von Arbeitsgelegenheiten. Diese bieten Langzeitarbeitslosen, die Arbeitslosengeld II erhalten, die Möglichkeit zusätzlich durch eigene Arbeit, meist 100 Stunden, 150 Euro im Monat hinzuzuverdienen. Es ist also keineswegs so, erklärt Arnold, dass Arbeitslose von einem 1,50-Euro-Stundenlohn leben müssen, vielmehr erhalten sie die Chance auf geregelte Arbeit und einen Hinzuverdienst der auf das Arbeitslosengeld II nicht angerechnet wird.

Die ersten Erfahrungen mit diesen mit Hartz IV eingeführten Modell sind hier im Kreis denn in der Tat auch positiv. Vor allem die Langzeitarbeitslosen nehmen diese Möglichkeit gerne wahr. Im Gespräch mit den Abgeordneten berichteten sie, regelmäßig Geld zu verdienen und die Tatsache gebraucht zu werden, sei ihnen viel wert. Bedauerlich sei nur, dass die Arbeitsgelegenheiten auf sechs, höchsten aber zwölf Monate beschränkt seien. Nils Schmid sieht diese Begrenzung bei jungen Leuten für sinnvoll, damit sie nicht in Beschäftigungsmaßnahmen verharren und den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen. Für ältere Arbeitslose dagegen sei solange die Unternehmen noch nicht in dem Maße ältere Menschen wieder einstellen, wie es notwendig wäre, eine dauerhafte Beschäftigung auf dem zweiten Arbeitsmarkt schon sinnvoll: "Es ist allemal besser, den Menschen eine Aufgabe zu geben, die ihnen wieder das Gefühl gibt gebraucht zu werden und der Gesellschaft nützt, als das sie ohne Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu Hause sitzen und staatliche Leistungen beziehen", sagte Carla Bregenzer.

Erste Erfolge können übrigens bereits verbucht werden. Der Inbus e.V. der in Nürtingen als Träger 35 Arbeitsgelegenheiten anbietet, berichtete, dass sieben ehemalige Arbeitslose über diese Maßnahme wieder eine reguläre feste Beschäftigung erhalten haben. Nicht alle Plätze die Inbus anbietet sind auch mit Arbeitslosen besetzt. Das hat seinen Grund. Der Verein, der von der Arbeitsagentur als Träger für die Organisation und Betreuung der Arbeitsgelegenheiten beauftragt ist, achtet sorgsam darauf, dass Qualifikation und Fähigkeiten der Arbeitslosen mit den Anforderungen der Arbeitsgelegenheiten zusammenpassen. Nur so mache es Sinn, dieses Beschäftigungsmodell auch erfolgreich als Sprungbrett auf den ersten Arbeitsmarkt zu nutzen.

Die Arbeitsgelegenheiten sind Aufgaben bei Sportvereinen, den Kommunen, in Krankenhäusern und Altenheimen sowie in Mensabetrieben, die sonst bestenfalls ehrenamtlich meist aber gar nicht über reguläre Beschäftigung gemacht werden könne. Zusätzliche Betreuungsarbeiten im Altenheim sei da nur ein Beispiel. Sorgsam werde darauf geachtet, versicherten die Inbus-Mitarbeiter, dass keine Arbeitsplätze verdrängt würden.

Manchmal finden die Gelegenheitsjobber auch beim Träger selbst eine Chance. Mit Erfolg betreibt der Kreisdiakonieverband Esslingen ihre Diakonieläden für bedürftige Menschen. Viele ehrenamtliche Helfer, einige wenige Festangestellte und neuerdings auch zusätzlich 1-Euro-Jobber arbeiten in den Diakonieläden und verkaufen preiswerte Möbel, Hausrat und Kleidung. Die Diakonie hat für den Raum Kirchheim und die Filder die Trägerschaft der Arbeitsgelegenheiten übernommen. Mit einer Computerwerkstatt bietet die Diakonie in Filderstadt-Bernhausen eine Besonderheit an, die gerade für junge Arbeitslose eine attraktive Arbeitsgelegenheit darstellt. Gebrauchte PC werden geprüft und gegebenenfalls repariert und über die Diakonieläden günstig abgegeben. Zusätzlich werden Kinder- und Jugendeinrichtungen bei der Pflege der vorhandenen Computernetzwerke unterstützt. Allerdings mangele es derzeit an alten Geräten.

Peter Dannenhauer, Leiter der Diakonie Bezirksstelle in Filderstadt, gab den Abgeordneten mit auf den Weg, Arbeitslosengeld II und Hinzuverdienst künftig als eine Leistung zu zahlen. "Man sollte den Menschen nicht das Gefühl geben, sie würden für 1,50 Euro die Stunde arbeiten", sagte er. Dannenhauer äußerte ebenso wie seine Kollegen des Nürtinger Vereins Inbus die Hoffnung in Zukunft langfristigere Verträge mit der Arbeitsagentur abschließen zu können um mehr Planungssicherheit zu erhalten. Derzeit erhalten Einrichtungen nur für zwölf Monate die Trägerschaft der Arbeitsgelegenheiten. Rainer Arnold versprach, sich mit dem Anliegen an die Arbeitsagenturen und ans Bundeswirtschaftsministerium zu wenden. Ein weiteres Problem skizzierte die Diakonie in Kirchheim. Viele der langzeitarbeitslosen Jugendlichen hätten keinen Führerschein, dieser sei aber oft Voraussetzung für eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Hier sei auch Unterstützung notwendig.

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