Pressemitteilung

Ohne Honorarbindung befürchten Architekten Dumpingpreise

Die Bundestagsabgeordneten Christian Lange und Rainer Arnold sprachen mit Architekten über eine Reform der Honorarordnung

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NÜRTINGEN (vhas). Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement will die verbindliche Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) gerne abschaffen. Ob die HOAI aber fällt, ist noch lange nicht ausgemacht. Die Architekten selbst aber auch eine Mehrheit der SPD-Abgeordneten im Bundestag sehen gute Gründe, die HOAI zwar zu reformieren aber beizubehalten. In einem gut besuchten

Diskussionsabend im Hotel Pflum in Nürtingen nahmen die Bundestagsabgeordneten Christian Lange und Rainer Arnold (beide SPD) Anregungen und Argumente der Architekten auf. Ein erster Gesetzesentwurf über eine Reform der Honorarordnung wird Ende des Jahres erwartet.

Ob und vor allem wie die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure reformiert werde, sei noch völlig offen. Derzeit befinde man sich in einem Diskussionsprozess, sagte Rainer Arnold, der seinen Backnanger Fraktionskollegen Christian Lange nach Nürtingen eingeladen hatte. Lange ist im Bundestag Berichterstatter für die Reform der Honorarordnung und damit für die Architekten und Ingenieure ein wichtiger Ansprechpartner. Insofern sagte Arnold den gut 40 Architekten, die zu dem Informationsgespräch gekommen waren, "was Christian Lange hier mit nimmt, hat Relevanz."

Nicht nur für die anwesenden Architekten auch für die beiden Abgeordneten sprechen viele Gründe für eine Beibehaltung der Honorarordnung. Die HOAI wurde Anfang der 70iger Jahre, um Preistreiberei und Preisdumping gleichermaßen zu verhindern. Dieses Schutzfunktion nach "oben" wie nach "unten", habe sich nach Meinung der Architekten bewährt und müsse Bestand haben. Eine Honorarordnung, die nur Höchstgrenzen verbindlich vorschreibe, wie es derzeit auch öffentlich diskutiert werden, könnte Preisdumping Tür und Tor öffnen. Leiden würde nach Auffassung der Architekten die Bauqualität. In Österreich, wo die Honorarordnung abgeschafft wurde, zeichne sich offenbar eine derartige Entwicklung ab. Arnold sagte dazu, dass auch weiterhin die Qualität und nicht der Preis als Kriterium gelten müsse.

Einig waren sich Politiker wie Architekten aber, dass die nicht mehr zeitgemäße HOAI dringend reformiert werden müsse. Die Aspekte umweltfreundliches Bauen oder Bauen am Bestand würden beispielsweise gar nicht berücksichtigt. Die Honorarordnung sollte, so der Wunsch der Architekten, einfacher werden und sich auf die honorarrelevanten Punkte beschränken. Eine Entkopplung der Honorare von den Baukosten, wurde als schwierig angesehen, eine Neugestaltung sei aber dennoch möglich.

Christian Lange kündigte an, dass eine Konsenslösung mit der Branche angestrebt werde. Weil eine Reform der Honorarordnung im Bundesrat zustimmungspflichtig ist, werde zunächst die Landeswirtschaftsministerkonferenz im Herbst abgewartet. Erst wenn sich die Landesminister auf eine einheitliche Linie verständigt haben, werde ein dementsprechender Gesetzesentwurf erarbeitet. Wie die Reform der Honorarordnung also ausfällt, ist derzeit noch völlig offen: Während das Bundeswirtschaftsministerium eine Abschaffung favorisiert, scheinen die Länder allein die Streichung der Untergrenze zu befürworten. Dagegen halten das Bundesbauministerium und wohl eine große Mehrheit der SPD-Bundestagsfraktion an der Verbindlichkeit der HOAI generell fest.

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