Pressemitteilung

Rainer Arnold und Carla Bregenzer bei der Agentur für Arbeit in Kirchheim

Arbeitplätze für Geringqualifizierte fallen immer mehr weg

KIRCHHEIM(pm). Der Arbeitsmarkt hat sich im letzten Jahr „sehr positiv“ in den Bezirken Nürtingen und Kirchheim entwickelt, dies sagte die Leiterin der Göppinger Arbeitsagentur, Heidrun Schulz, im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold und der Landtagsabgeordneten Carla Bregenzer (beide SPD). Trotz guter Konjunktur wird es aber für gering qualifizierte Menschen zunehmend schwieriger einen Job zu finden. Dieser Trend werde sich sogar noch in den nächsten Jahren verstärken, weil gut bezahlte einfache Tätigkeiten in der Industrie wegfallen werden.

Die Bilanz, die Heidrun Schulz den beiden Abgeordneten kürzlich in Kirchheim präsentierte, kann sich wahrlich sehen lassen.„Wir haben Verbesserungen in allen Kennziffern und auch erste Erfolge bei Langzeitarbeitslosen“, sagte sie. Die Arbeitslosenquote sank im Dezember 2007 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20 Prozent auf 3,6 Prozent im Bezirk Nürtingen.

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Im Bezirk Kirchheim ging die Quote auf 3,2 Prozent zurück, das seien sogar 25 Prozent weniger Arbeitslose als noch vor zwölf Monaten. Damit weise die Statistik im Wahlkreis Nürtingen nicht nur eine niedrigere Arbeitslosenquote als im Durchschnitt in Baden-Württemberg auf, im Bezirk Kirchheim sei sogar der Rückgang größer als im landesweiten Mittel.

Für 2008 erwartet Schulz einen weiteren Rückgang.„Wir werden nicht mehr den Boom des letzten Jahres haben, es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass der Abbau der Arbeitslosigkeit sich nicht weiter fortsetzt“, sagte sie.

Im Bezirk Nürtingen bewertete die Agenturleiterin den Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze als besonders positiv. Nachdem im Jahr 2000 die Zahlen in Nürtingen und Kirchheim noch etwa gleich auf lagen, seien sie nun in Nürtingen deutlich höher. Auch der Anstieg in den letzten Jahren sei in Nürtingen viel stärker ausgefallen. Schulz führt die Entwicklung auf die in Nürtingen stärker vertretenden Personaldienstleistungsunternehmen zurück. Rainer Arnold sieht darin eine Bestätigung der Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahre.„Im konjunkturellen Tal können auch die Personaldienstleister keine neuen Jobs schaffen. Bewegung bekommen wir erst dann, wenn die Wirtschaft anzieht, dies bestätigt sich jetzt hier sehr anschaulich“,sagte er. Nun müsse darauf geachtet werden, die Leih- und Zeitarbeit nicht zum Abbau regulärer Beschäftigung zu missbrauchen.

Der Stellenzuwachs könne jedoch nicht über den fortschreitenden Abbau im gewerblichen Bereich hinwegtäuschen. Während einfache Tätigkeiten in der Industrie wegfallen, würden zwar neue im Dienstleistungsbereich entstehen, doch viele Beschäftigte täten sich schwer, so Schulz, von der Produktion in die schlechter bezahlte Dienstleistung zu wechseln. Für die Betroffenen sei dies nicht nur eine Frage der beruflichen Interessen sondern auch der bloßen Existenz, so Carla Bregenzer. „Wenn das Einkommen sinkt, bedeutet ein solcher Wechsel für viele große Einschränkungen und einen niedrigeren Lebensstandard.“

Einen Ausweg sehen Arnold und Bregenzer nur in mehr Qualifizierungsmaßnahmen und verstärkter Weiterbildung. Heidrun Schulz erwartet, dass langfristig der Anteil der Erwerbstätigen ohne Ausbildung nur noch zehn Prozent betragen wird. Derzeit seien es noch gut 30 Prozent, schätzt sie. Diese Entwicklung hat für Arnold eine doppelte Brisanz:„Wenn der Arbeitskräftebedarf zwar quantitativ nicht aber qualitativ gedeckt werden kann, dann droht uns Massenarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel.“ Diese Entwicklung zeige, sagte Bregenzer, wie wichtig gleiche Bildungschancen für Kinder sind und wie sehr wir jetzt frühzeitig mehr in Bildung und Qualifikation investieren müssen.

Moment federe die gute Konjunktur diese Entwicklung noch ab. „Wir sind gerade in der Situation, sogar für ungelernte Kräfte etwas zu finden“, sagte Schulz doch fügt sie gleich hinzu, dies sei ohne Perspektive.

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