Pressemitteilung

Rainer Arnold und Ernst Ulrich von Weizsäcker (Filder Extra)

Filder. Der Spagat zwischen Umwelt und Wirtschaft ist ein konstantes Problem - auch auf den Fildern. Der Flughafen, die Messe, Forderungen nach ausgebauten Straßen, das ist die eine Seite. Der kostbare Filderboden und die Naherholung der Einwohner, das ist die andere. Der AMZ-Verlag hatte Leser eingeladen, gemeinsam mit dem Umwelt-Experte Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker und MdB Rainer Arnold, über dieses langwierige Thema zu diskutieren. Von Emily Schwarz

Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Neffe des Ex-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Diplomphysiker und Doktor der Biologie, gilt weltweit als Umwelt-Experte. Und als solcher kam er - verstehtsichvonselbst- mitdem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zum Redaktionsgespräch. Die Verkehrsbelastung ist schließlich gerade auf den Fildern ein großes Thema - nicht zuletzt auf Grund der ungezählten Pendler zu Messe und Flughafen.

»Wir müssen das Bewusstsein der Bürger schärfen«, so der 70-jährige Wissenschaftler. Park&Ride-Parkplätze ausbauen, Pendlerzüge komfortabler ausstatten, Rad-Abteile im ÖPNV vergrößern, Geschäftsreisen einschränken und Radwege ausbauen: Das seien weitere Anreize, das Au­to stehen zu lassen. Das sieht Rainer Arnold, SPD-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Nürtingen, ähnlich. »Elektroautos sind ein Anfang«, so Arnold. »Auch die Wasserstofftankstelle beim Flughafen ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.«

Was können die öffentlichen Ämter tun?

Von Weizsäcker appelliert auch an die Oberbürgermeister der Filder-Kommunen. Um Ökologie und Wirtschaft in Einklang zu bringen, könne Leinfelden-Echterdingens OB Klenk beispielsweise die Tarife in Parkhäusern deutlich anheben sowie mindestens zehn Radstellplätze in Bussen und S-Bahnen einrichten. Außerdem sollten auf öffentlichem Boden Passivhäuser selbstverständlich werden. »Pauschal lässt sich viel sagen - eigentlich müssten wir uns einen Monat lang zusammensetzen und die Probleme vor Ort besprechen«, räumt von Weizsäcker ein.

Indes spricht sich Arnold zwar für den sechsspurigen Ausbau der B 27 aus. Den Bau weiterer Straßen auf den Fildern hält er aber für einen Irrweg. Kreuzungsfreie Straßen und ein zuverlässiger ÖPNV seien die Zukunft.

Aber selbst ein ausgebauter ÖPNV bleibt wirkungslos, wenn er nicht genutzt wird? »Bewusstsein schärfen«, meint vonWeizsäcker. »Und das kann Jahre dauern«, wirft Filder-Extra-Leser Rudolf Horn ein. Diesen Prozess zu beschleunigen hilft nur der Geldbeutel: »Niedrige Energiepreise laden zur Verschwendung ein«, so von Weizsäcker. »Steuersenkungen sind vorbei«. Jetzt sei die Umwelt an der Reihe.

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