Pressemitteilung

Rainer Arnold zu Besuch bei den Nürtinger Stadtwerken

MdB Rainer Arnold im Gespräch mit Stadtwerke-Geschäftsführer Volkmar Klaußer

"Energiekonzerne können Strompreis beeinflussen"

NÜRTINGEN(pm). Die erneuerbaren Energien könnten schon bald zu einer tragenden Säule im deutschen Strommarkt werden. Bereits 2020 könnten sie laut einer aktuellen Studie des Bundesumweltministeriums ein Viertel zur Stromversorgung in Deutschland beitragen. In Nürtingen kommt man diesem Ziel schrittweise näher. Dennoch erweise sich der Ausbau einer umweltschonenden und dezentralen Energieversorgung als schwierig, wie der Geschäftsführer der Nürtinger Stadtwerke, Volkmar Klaußer, gegenüber dem SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold sagte.

Für Rainer Arnold spielen die Stadtwerke für eine zukünftige Energieversorgung eine tragende Rolle. Der SPD-Bundestagsabgeordnete setzt auf einen verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien wie Sonne, Wind oder Biomasse, die vor allem in dezentralen Anlagen genutzt werden. "Dafür brauchen wir auch dezentrale Versorgungsstrukturen, so wie sie bei zahlreichen Stadtwerken vorhanden sind", sagte er. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Nürtingen, Volkmar Klaußer, machte in einem kürzlichen Gespräch an dem auch der Landtagsabgeordnete Nils Schmid und Regionalrat Helmut Hartmann (beide SPD) teilnahmen, klar, dass ein Ausbau dezentraler Energieversorgung momentan wirtschaftlich schwierig sei. "Strom aus Großkraftwerken ist immer noch billiger wie aus kleineren Anlagen. Zumal die großen Kraftwerke geringere Kapitalkosten verursachen, da sie weitgehend abgeschrieben und refinanziert sind", sagte Klaußer.

Der Geschäftsführer sieht die Stadtwerke ohnehin in keiner leichten Situation. Die Liberalisierung des Energiemarktes hat nach anfänglichen Preissenkungen nun zu deutlichen Preissteigerungen geführt. An der Funktionsfähigkeit eines Marktes mit wenigen realen Anbietern, also einem Erzeugermarkt darf gezweifelt werden. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass die neu geschaffene Regulierungsbehörde lediglich für die Netze also den Transport der Energie und nicht auch für den Energiehandel selbst zuständig ist. Klaußer hält eine stärkere staatliche Kontrolle, beispielsweise durch die Regulierungsbehörde, für notwendig. Arnold sicherte Klaußer zu, sich in dieser Angelegenheit an die zuständigen Fachpolitiker in Berlin zu wenden.

Der neu eingeführte Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten führte zu einer beträchtlichen Verteuerung der Energiepreise und dies obwohl die Zertifikate an die Kraftwerksbetreiber kostenlos abgegeben wurden. Kraftwerksbetreiber können deshalb in den Jahren 2006/2007 Mehreinnahen zu lasten der Verbraucher im Milliardenbereich verbuchen. Auch hieran kann man die Notwendigkeit von Reformen in der Energiepolitik erkennen.

Der Anstieg des Strompreises trifft die Stadtwerke Nürtingen, die den Großteil ihres Strombedarfs einkaufen müssen. Nur etwa acht Prozent des Stromverbrauchs im Versorgungsgebiet können über eigene Anlagen gedeckt werden. Überlegungen gebe es durchaus zusammen mit anderen Stadtwerken eigene Kraftwerke zu bauen. Bei den derzeit schwer kalkulierbaren Strompreisen, dürfte eine solche Anlage jedoch, so Klaußer, nicht mehr als 15 Prozent des Strombedarfs abdecken. "Größere Dimensionen sind für uns zu risikoreich", sagte er.

Neben dem Wasserkraftwerk am Neckar betreiben die Stadtwerke einige Blockheizkraftwerke (BHKW) darunter ein mit klärgasbetriebenes BHKW. Das Problem der BHKW besteht darin, dass die bei der Stromerzeugung erzeugte Wärme auch in der wärmeren Jahreszeit genutzt wird. So dient das BHKW im Wohngebiet Rossdorf der Grundlastversorgung insbesondere mit Warmwasser. Im Kroatenhof wird mit einer Brennstoffzelle auch eine neue Technologie erprobt. Bei Photovoltaikanlagen (PV) konzentrieren sich die Stadtwerke nachdem eigene Anlagen (auch bürgerfinanzierte) errichtet worden sind, nun auf die Beratung, nachdem PV-Anlagen seit dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz kostendeckend betrieben werden können. Nach Klaußers Aussagen ist die solare Stromerzeugung mit privaten Anlagen in den letzten Jahren beachtlich angestiegen: "Fast ein Megawatt Leistung sind mittlerweile in Nürtingen installiert."

Strom und Wärme aus Erneuerbaren Energien kann man nicht nur von den Dächern sondern auch in der Tiefe ernten. Rainer Arnold sieht große Chancen in der Nutzung der Tiefen-Geothermie zur Stromerzeugung, auch wenn das Bad Uracher Pilotprojekt mangels Geld vorerst gescheitert ist. "Jetzt müssen erste Betriebserfahrungen mit dem Pilotprojekt im elsässischen Sulz gemacht werden. Das Thema Strom aus Geothermie kommt auch in unserer Region bald wieder auf die Tagesordnung", ist sich Arnold sicher. Die Nutzung von oberflächennahen Erdwärme für Warmwasser und Heizzwecken ist im privaten Haushalt heute schon machbar. Für Geschäftsführer Volkmar Klaußer ist diese Technik denn auch eine sinnvolle umweltfreundliche Alternative zur üblichen Ölheizung in Einfamilienhäusern.

Klaußer bedauerte das vorzeitige Aus des Uracher Projekts: "Die für die geothermische Stromerzeugung geologisch günstigen Bedingungen in Urach reichen bis in den Nürtinger Raum. Das Projekt wäre damit auch für Nürtingen sehr interessant gewesen."

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