Pressemitteilung

Strom aus Erdwärme könnte man mehr als genug erzeugen

Potenzial in Deutschland entspricht dem 600-fachen Bedarf

Bund fördert Geothermiekraftwerk in Bad Urach

Pilotanlage schon 2004 in Betrieb?

NÜRTINGEN(vhas). Strom könnte in Deutschland zukünftig ganz ohne Abgase und Schadstoffe aus der Erde kommen. Und das mehr als wir derzeit verbrauchen. Einer gesamtdeutschen Ressourcenstudie zufolge reicht das Potenzial der Geothermie aus, um den 600-fachen Strombedarf zu decken. In Bad Urach fördert der Bund mit 6,5 Millionen Euro den Bau einer ersten Pilotanlage, die schon im nächsten Jahr umweltfreundlich Strom aus Erdwärme produzieren könnte, sagte der Nürtinger Bundestagsabgeordnete Rainer Arnold.

Die Studie des Büros für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestag (TAB) erfasst erstmals deutschlandweit das gesamte geothermische Potenzial, das mehre tausend Meter tief im Erdinnern schlummert. Das Ergebnis erscheint beeindruckend. Das Potenzial der technisch nutzbaren Erwärme ist so gross, dass damit 600 Mal mehr Strom produziert werden könnte, als derzeit in Deutschland übers Jahr verbraucht wird. Das TAB empfiehlt allerdings ein jährliches technisches Angebotspotenzial von 300 Terawattstunden, das der Hälfte der gegenwärtigen Stromerzeugung in Deutschland entspricht. "Die Grundlastversorgung von Strom und Wärme könnte allein über saubere Energie aus Geothermie erfolgen", sagt der Nürtinger Bundestagsabgeordnete. Die Studie belege ein weiteres Mal, das regenerative Energien Kohle- und Atomkraft ersetzen können.

Geothermie ist eine umweltfreundliche Energiequelle. Schadstoffe oder Klimagase, wie Kohlendioxid, entstehen praktisch keine. Je tiefer man in das Innere der Erde vordringt, um so wärmer wird es. In unseren Breiten nimmt die Temperatur durchschnittlich um 3 Grad Celsius pro 100 Meter zu. In 4000 bis 5000 Meter Tiefe ist das Gestein so heiß, dass Wasser stark genug erhitzt werden könnte, um eine Turbine anzutreiben. Dies wird über das Prinzip Wärmetauscher realisiert: Wasser wird durch ein Bohrloch in die Tiefe gepumpt, fließt durch die Klüfte und Risse des heißen Gesteins, erwärmt sich dabei und gelangt über ein zweites Bohrloch nach oben. Dieses so genannte Hot-Dry-Rock-Verfahren ermöglicht eine Erdwärmenutzung auch dort, wo keine heißen Wässer auf natürliche Weise zirkulieren. Anders wie bei Solar- oder Windkraftanlagen kann Strom gleichmäßig rund um die Uhr und 8000 Stunden im Jahr produziert werden.

Die rot-grüne Bundesregierung fördert seit Jahren die Weiterentwicklung der Technik und die Realisierung geothermischer Kraftwerke, so Rainer Arnold. Neben Forschungsgelder sei die feste Einspeisevergütung über das Erneuerbare-Energiengesetz ein wichtiger Baustein, diese moderne und umweltfreundliche Technik am Markt durchzusetzen.

Rainer Arnold selbst hat sich vor Ort immer wieder für den Bau geothermischer Anlagen stark gemacht. Nach jahrelanger Forschung scheint nun in Bad Urach eine erste Pilotanlage schon im nächsten Jahr realisiert zu werden. Mit 6,5 Millionen Euro aus dem Zukunfts-Investitions-Programm finanziert der Bund den Bauabschnitt unter Tage. Dies beinhaltet vor allem das zweite Bohrloch, das noch dieses Jahr abgeteuft werden soll. Nach Abschluss einer Testphase im nächsten Frühjahr könnte nach Aussagen von Helmut Tenzer von den Stadtwerken Bad Urach bereits Ende 2004 eine erste 1-Megawatt-Pilotanlage Strom produzieren. Mittelfristig könnte ein Kraftwerk mit drei bis fünf Megawatt Leistung installiert werde, so Tenzer. Das sei allerdings Aufgabe der Betreibergesellschaft und der Industriepartner der Stadtwerke, der REPower Systems, Hamburg und der EnBW, Karlsruhe.

"Mit der Übernahme eines großen Teils der Investitionskosten und zum Teil auch des unternehmerischen Risikos hat der Bund zur Realisierung der Pilotanlage sowie zur Markteinführung der Technik in besonderem Maße beigetragen", sagte Rainer Arnold.

Zurück