Pressemitteilung

Weinmanns Wirken soll in einer Stiftung weiter leben

Die neue gegründete Werner-Weinmann-Stiftung fördert und prämiert bürgerschaftliches Engagement

Weggefährte und Vorsitzender des Deutschen Turnerbundes, Rainer Brechtken, sprach auf der Gründungsveranstaltung

FILDERSTADT(vhas). Vor genau sechs Jahren starb der langjährige Landtagsabgeordnete und Unternehmer Werner Weinmann. Seine soziale Verantwortung ob als Politiker, Arbeitgeber oder ehrenamtlich engagierter Bürger bleibt für viele seiner Weggefährten unvergessen. Sein Einsatz für die Menschen soll jetzt in seinem Sinne weiterleben: Auf Initiative der Familie Weinmann und des Nürtinger Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold wurde am vergangenen Wochenende in Filderstadt-Bonlanden in der Uhlberghalle die Werner-Weinmann-Stiftung gegründet.

Viele Menschen "nach Angaben der Robert-Bosch-Stiftung sogar jeder Dritte" bringen ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und manchmal auch ihre Begeisterung im Sportverein, in der Kirchengemeinde oder Umweltschutzorganisation unermüdlich ein. Keine Frage, sie leisten damit einen unverzichtbaren Dienst an der Gesellschaft und bereichern das kulturelle Leben. Und wenngleich ehrenamtlich aktive Bürger freiwillig und im eigenen Interesse sich engagieren, Anerkennung und Unterstützung dafür, dass sie einen Stützpfeiler unserer Gesellschaft bilden, verdienen diese meist im stillen agierenden Menschen in hohem Maße. Doch mit dem Ehrenamt ist das so eine Sache. Anerkennung? Oft heißt es da Fehlanzeige. In Polen sagt der Volksmund Dankbarkeit ist in dem Himmel gestiegen und hat die Leiter mitgenommen.Manche Ehrenamtliche können davon ein Lied singen. Bürgerschaftliches Engagement braucht jedoch vor allem eins: Anerkennung, sagt MdB Rainer Arnold, der gemeinsam mit der Familie Weinmann den Anstoß zur Gründung der Werner-Weinmann-Stiftung gab. Die Gründerväter und mütter haben es sich zur Aufgabe gemacht mit der Stiftung für mehr Anerkennung und Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements zu sorgen. Über die Vergabe von Fördermitteln wacht ein Stiftungsrat, ihm gehören an: Pfarrer Helmut Beck (Geschäftsführer der Samariter Stiftung, Nürtingen); Elisabeth Arnold (Leiterin der Diakonie Sozialstation, Leinfelden-Echterdingen); Helmut Hartmann (1. Bevollmächtigter der IGM Esslingen), Alfred Weinmann (Bruder des Verstorbenen, Filderstadt), Oberbürgermeister Dr. Peter Bümlein (Filderstadt) und MdL Nils Schmid (Nürtingen). Dem Vorstand gehören neben dem Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold der Sohn Götz Weinmann sowie die Witwe des Verstorbenen Margret Weinmann an.

Einmal jährlich soll mit dem Werner-Weinmann-Preis anerkennungswürdige Arbeit im Ehrenamt geehrt und finanziell unterstützt werden. Darüber hinaus werden, so Rainer Arnold, besondere Initiativen, dort wo Menschen nicht nach dem Staat rufen, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen, gefördert. Die Stiftung werde sich auch um die Unterstützung der Pflege alter Menschen bemühen und damit ein ureigenes Betätigungsfeld des verstorbenen Werner Weinmann aufgreifen.

Der langjährige Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Nürtingen-Filder und Vorgänger von MdL Nils Schmid hatte sich bereits frühzeitig als Sozialpolitiker einen Namen gemacht. An der Einführung der Pflegeversicherung leistete er einen maßgeblichen Beitrag, um nur ein Beispiel zu nennen. Weinmann, der zuletzt zum Staatssekretär im Sozialministerium ernannte wurde, war mit Leib und Seele Politiker. Zum Beruf hatte er die Politik aber nie gemacht: Bereits in den 60er Jahren gründete Weinmann als junger Unternehmer eine eigene Druckerei- und Verlagsgesellschaft. Selbständiges Unternehmertum und soziale Verantwortung bedeuteten für ihn keinen Widerspruch, erinnert sich Arnold. Weinmann sei einer der wenigen Politiker gewesen, der diesen beiden Aspekte glaubhaft zusammenführen konnte, weil er sie in seinem eigenen Unternehmen erfolgreich praktizierte.

Der Vorsitzende des Deutschen Turnerbundes, Rainer Brechtken, früher gemeinsam mit Weinmann Abgeordneter im baden-württembergischen Landtag schätzte ihn, als Mensch, der nah bei den Bürgern blieb Politiker, der nah bei den Menschen blieb und die Spannweite von privatem ehrenamtlichen Engagement, Politik und Unternehmertum in sich vereinte. Reibungspunkte und Interessenskonflikte blieben da freilich nicht immer aus. Doch um unsere Gesellschaft zu verändern und Antworten auf die großen Zukunftsfragen zu finden, brauche man, so Brechtken, mehr Diskussion, mehr Beteiligung und mehr Streit in der Gesellschaft: "Werner Weinmann war jemand, der diese Spannungen aushalten konnte."

Brechtken richtete seinen Blick auf die Zukunft bürgerschaftlichen Engagements in Zeiten der Globalisierung. Im Berufsleben wird den Menschen zunehmend mehr Flexibilität , mehr Mobilität und ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit abverlangt, sagte Brechtken. Dies führe zu sozialen Veränderungen in der Gesellschaft auf die auch das Ehrenamt mit neuen Strukturen reagieren müsse. Der Vorsitzende des Turnerbundes machte unmissverständlich klar, dass in Zukunft mehr bürgerschaftliches Engagement vonnöten sei. Es sei jedoch falsch zu glauben, in anbetracht knapper öffentlicher Gelder könnten staatliche Aufgaben durch freiwillige Tätigkeiten ersetzt werden. Das Verhältnis von Leistungen des Staates und Freiwilligenarbeit müsse neu definiert werden. Wichtig sei vor allem, so Brechtken, gemeinsames Wirken von Staat und Bürger: Wir brauchen ein Miteinander im Denken und Planen. Vereine und Kommunen sollten Aufgaben mehr gemeinsam bewältigen. Dass bei dieser Aufgabe alle Bürger gefragt seien, machte er unmissverständlich klar: "Wir sind nicht Zuschauer sondern selbst Handelnde." Dafür sei auch ein neues Image des Ehrenamts notwendig - das Ehrenamt nicht als Leidensstrecke darstellen sondern Begeisterung schaffen.

Auch dazu will die Werner-Weinmann-Stiftung künftig beitragen. Denn Werner-Weinmann engagierte sich in der Tat mit viel Begeisterung in Initiativen und Vereinen in seiner Heimatgemeinde. Eine Leidensstrecke war es für ihn wohl nie.

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