Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast

Viel Spass in Bangladesh, oder: Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast

In 2005 veröffentlichte das World Economic Forum eine Statistik über die Effizienz verschiedener nationaler Steuersysteme. Im darin enthaltenen Länderranking belegt Deutschland den 104 Platz von 104. Angesichts solch verheerender Zahlen beginnt man zu zweifeln. Doch damit nicht genug: Das deutsche Steuersystem ist demnach schlechter als das von Äthiopien, Bangladesh, Simbabwe oder Malawi, um nur einige Beispiele zu nennen. Spätestens jetzt kommen auch dem letzten Optimisten angesichts so einer katastrophalen Bilanz die Tränen. Deutschland ist weit abgeschlagen, viele der Staaten, die ein besseres Steuersystem besitzen als wir, verfügen über keine oder spärliche Sozialsysteme und weiterführende Schulen, die Analphabetenrat ist hoch und eine funktionierende Kanalisation sucht man oft vergeblich. Einige der Länder befinden sich gar im Bürgerkrieg. Aber sie sind auf einem guten Weg, muss man als guter Verlierer zugeben, denn schließlich haben sie im direkten Vergleich der Steuersysteme den Exportweltmeister Deutschland ausgestochen.

Dennoch macht man sich schon so seine Gedanken und der verwirrte Leser der Studie ist dazu geneigt nachzuforschen, weiter zu lesen: Wie konnte so ein Ergebnis zustande kommen und was haben die, was wir nicht haben? Für die Studie hat das World Economic Forum Führungskräfte von Unternehmen aus 104 Ländern zu ihrer Meinung betreffs des jeweiligen nationalen Steuersystems befragt. Aus Deutschland kamen Antworten von 70 Managern zurück. Um nun wirklich fassen zu können, wie aussagekräftig diese Studie ist, muss man wissen, dass es in Deutschland weit mehr als drei Millionen Firmen gibt. Setzt man diese Zahl in Relation zu den 70 Unternehmen aus denen eine Antwort zurückkam, dann kann man des Nächtens doch wieder ruhig schlafen. Aber so wir Meinung gemacht!